Franz, geboren im Jahre 1567, wuchs heran in der Zeit der Hugenotten-Kriege und der oft blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen. Auch das Gebiet in Savoyen, in dem Schloss Sales liegt, bekam die Auswirkungen der Glaubenskämpfe zu spüren. Franz musste sich schon früh mit dem Calvinismus auseinandersetzen. Der französische Reformer Calvin behauptete, dass Gott den Menschen derart vorherbestimmt hat, dass er zu seinem ewigen Heil oder Unheil nichts selber tun kann. Diese Prädestinationslehre trieb Franz während seines Jura- und Theologiestudiums in Paris und Padua in den Irrgarten schwerster Ängste. Trotz aller Bemühungen glaubte er sich von Gott für die Verdammnis bestimmt. Aus dieser Seelenqual rettete ihn das vertrauensvolle Gebet vor einer Muttergottesstatue. Er gewann schließlich nicht nur die richtige Überzeugung, sondern auch jene innere Ruhe und Sicherheit, die ihn nie mehr verließ und aus der heraus er anderen Bedrängten Helfer und Wegweiser werden sollte.

 

Obwohl er ein glänzendes juristisches Examen mit Doktortitel absolviert hatte, entschloss er sich, Priester zu werden. Er entschied sich für die besonders schwere und gefahrvolle Aufgabe, das Gebiet von Chablais am Südufer des Genfer Sees dem Calvinismus zu entreißen. Vier Jahre verbrachte Franz von Sales dort unter ständiger Lebensgefahr. Er wurde wegen seines Priesteramtes gehasst und verfolgt, geschmäht und bedroht, bis seine Güte, seine Sanftmut und sein blendender Geist viele überzeugten und zur Umkehr bewogen.

 

Nach einigen Jahren wurde Franz von Sales zum Bischof von Genf ernannt. Ungeachtet seiner anstrengenden Amtstätigkeit fand er noch Zeit, religiöse Werke zu verfassen. Er begründete ein neues Frömmigkeitsideal, das er in seiner Schrift PHILOTHEA (Einführung in das christliche Leben) darlegte. “Gott ist nicht kleinlich”, er will freie und weitherzige Menschen, deshalb “sollen wir kein anderes Gesetz, keinen anderen Zwang kennen als den der Liebe.” Es gibt viele Wege zu Gott. Frömmigkeit lässt sich auch inmitten der Welt realisieren. Franz von Sales war ein Bischof, der Kontakt zu den Menschen suchte. Er unternahm in seiner Diözese viele Visitationsreisen.

 

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