Eines Tages hatte er die denkwürdige Begegnung mit der Baronin Johanna Franziska von Chantal. Sie war Mutter von vier Kindern und Witwe. Mit 28 Jahren verlor sie ihren Gatten infolge eines Jagdunfalls. Die Beziehung zwischen Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal entwickelte sich zu einer tiefen geistigen Freundschaft. Das Band, das die beiden Menschen einte, war die gemeinsame Liebe zu Christus, das gemeinsame Streben nach Heiligkeit.

 

Mit Frau von Chantal gründete Franz von Sales 1610 zu Annecy den Orden von der Heimsuchung Mariä (die Salesianerinnen), und zwar auch für Witwen und Mädchen, die körperlich zu schwach sind, um die strenge Askese zu üben, wie sie in den alten Frauenorden üblich war. Zur Oberin ernannt, ging Johanna Franziska daran, mit Umsicht und Hingabe ihr Kloster zu einer vorbildlichen Gemeinschaft der Liebe, Demut und herzlichen Güte zu machen. Solange Franz von Sales lebte, hatte sie in ihm durch einen reichen Briefwechsel einen guten Ratgeber und Helfer.

 

In den letzten Jahren seines Lebens richtete Franz von Sales seine Aufmerksamkeit immer stärker auf seine ganz besondere Begabung: die Seelenführung. In dieser Zeit verfasste er sein theologisches Hauptwerk THEOTIMUS (Abhandlung über die Gottesliebe). Es ist ein mystisches Werk, das begnadete Seelen hineinführt in die innigste Vereinigung mit Gott. Voraussetzung für dieses “mystische Durchdrungenwerden von Gott” ist die Haltung “Nichts verlangen, nichts verweigern”. Der Mensch soll danach streben, keine Forderungen zu erheben, weder Gott noch den Menschen gegenüber. Andererseits soll er keine Bitten eines anderen abweisen, sondern sich im Geben verströmen. Diese Haltung schenkt den heiligen Frieden und wahrt die Ruhe des Herzens. Denn “wenn man sich in die Gegenwart Gottes gestellt hat, so bleibt man immer darin”.

 

Franz von Sales starb am 28.12.1622, wurde 1665 heiliggesprochen und 1877 zum Kirchenlehrer ernannt.

 

Johanna Franziska von Chantal starb am 13.12.1641 und wurde 1767 heiliggesprochen. Ihre Grabstätte befindet sich neben der des hl. Franz von Sales in der Basilika von Annecy.

 

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